12-02-2016

6 spread article in Der Stern

In their last December’s Christmas edition, der Stern published a 6 spread article about North Korea, a Life between Propaganda and Reality, written by Silke Müller.

The article is called Ein Land, zwei Welten. For the ones amongst us who read German, here an extract of the article:

“Der oberste Führer möchte selbst bestimmen, welches Bild sich die Welt von seinem Land macht. Ungefilterte Informationen dringen kaum nach außen. Das rächt sich: Wohl kaum eine Nation beflügelt die Fantasie und die Neugier wie Nordkorea, das sich in der offiziellen Propaganda als blumiges und quietschbuntes Paradies feiert.
Die niederländische Fotografin Alice Wielinga faszinierte der Gegensatz zwischen der Selbstdarstellung des Regimes und der Realität. Als sie 2013 beschloss, in das Land aufzubrechen, waren die Beziehungen zwischen Nordkorea und dem Westen mal wieder an einem Tiefpunkt angelangt. Ein Jahr zuvor hatte der Herrscher Kim Jong-un seine Nation zur Atommacht erklärt. Nun ließ er die Muskeln spielen. Nach der unterirdischen Zündung einer Kernwaffe verschärfte der UN-Sicherheitsrat die Sanktionen gegen Nordkorea. (…)
2500 Kilometer reiste sie mit ihrem Vater und den Aufpassern durch das Land. „Ich wünschte, man könnte mit einem Rucksack einfach so herumreisen und eintauchen, aber die Restriktionen sind absoluter Bestandteil dieser Gesellschaft.“ Gespräche über Politik waren nicht möglich, aber immerhin konnte sie mit den Menschen über ihr persönliches Leben reden. „Ich habe versucht, dieses Land zu verstehen“, sagt Wielinga. „Und ich sah eine ganz andere Realität, als die Propaganda sie transportieren möchte.“ Mit einem Weitwinkelobjektiv fing sie die Landschaften und Alltagsszenen ein. Später, im Atelier, verglich sie die Bilder mit den gemalten Sozialismus-Idyllen der Staatskünstler. „Sie haben die Wirklichkeit in einen Traum verwandelt, und mich interessiert die Lücke dazwischen.“
Wielinga begann, die Propaganda-Motive mit ihren Fotografien zu kreuzen. Fotografie und Malerei verschmelzen so zu einem Bild, die Abgründe zwischen Realität und Fiktion geraten umso tiefer, je farbenfroher der Wunsch mit der graubraunen Wirklichkeit kontrastiert.
Abgestorbene Bäume, vertrocknete Wiesen und ein verlassener Rohbau stellen infrage, was die malerische Szene mit Landarbeitern, einem Traktor, grünen Wiesen und Bäumen behauptet. Dem Hafenbild samt Feuerwerk und glutrotem Sonnenball, das wie eine Karikatur der lichtdurchfluteten Gemälde William Turners daherkommt, schiebt sie rostige Fischerkähne in den Vordergrund. Mit denen ist kein Staat zu machen. (…)
Alice Wielinga hat mit den Collagen ihre eigene Handschrift entwickelt. Mehrere Jahre lang hatte sie sich mit Reportagefotografie beschäftigt. Doch wenn die Bilder dann in Magazinen erschienen, war sie oft vom Ergebnis enttäuscht. „Ich hatte immer das Gefühl, dass meine Gedanken zu den Bildern interessanter waren als die Bilder selbst.“
Sie wandte sich der künstlerischen Fotografie zu, stellte aber sehr schnell fest, dass sie „kein Mensch für das Studio“ ist. Also beschloss sie, die gestalterische Freiheit der Kunst mit der erzählerischen Kraft der Dokumentarfotografie zu kombinieren. „Die Nordkorea-Serie ist das erste Projekt, bei dem es mir auf perfekte Art gelungen ist“, sagt sie. Das sahen Fotografie-Experten genauso: Ihre Serie „Nordkorea – Ein Leben zwischen Propaganda und Wirklichkeit“ gewann gleich zwei bedeutende Fotopreise. Für ihr nächstes Projekt hat sie sich ein Terrain ausgesucht, das ähnlich schwer zu erkunden ist wie Nordkorea: einen Slum in Pakistan.”